Die Idee hinter Nemo
In Japan kommt es nicht selten vor, dass ein Modellflugplatz nicht in kurzer Zeit erreichbar ist. Oft fährt man weit über eine Stunde, um das nächste Flugfeld zu erreichen. An ein paar entspannende Flüge in den Mittagspausen oder schnell noch mal nach Feierabend ist dann leider nicht zu denken. Kleine Parks findet man jedoch selbst in dicht besiedelten Großstädten, so erzählten uns die Jungs der japanischen F3J-Nationalmannschaft.
Die „großen“ DLGs eignen sich jedoch nur schlecht für das Fliegen in kleinen Parks.
Und so kam es, dass in Japan einen Mosquito-DLG-Klasse entstand.
Zur F3j Weltmeisterschaft 2004 in Red Deer/Kanada brachten die Japaner einen kleinen Mini-DLG mit. Dieser fand ein neues Zuhause am Bosphorus in Istanbul. Ein Jahr später, traf sich die die europäische F3J-Elite zur EM in Osijek. Auch dort war der kleine Japaner im Gepäck von Mustafa Koc. Rasch fand der ca. 80g schwere Segler viele Freunde.
Während einer verregneten Stunde fassten Mustafa Koc, Philip Kolb und Daniel Szkudlarek den Entschluss: der Japaner bekommt einen Bruder.
Ziel war es, einen kleinen transportfreudigen DLG zu entwickeln, der sich jedoch vor seinen großen Brüdern nicht verstecken muss. Rasch war klar, welche Details von Nemos Bruder übernommen werden sollen und an welchen Stellen andere Lösungen das Gesamtkonzept verbessern könnten. Das einzige Limit: Die Spannweite, vorgegeben aus Japan und auf 75 cm begrenzt, darf nicht überschritten werden.
Philip machte sich an die ersten Profilentwürfe und wird uns an dieser Stelle bald mehr über Nemos aerodynamische Auslegung erzählen.
Parallel entwarf Andreas Jänich einen Rumpf am CAD. Eine formschöne Schale um die RC-Komponenten. Durch viel Unterstützung seitens Mustafa Koc, standen bereits wenige Monate später die CNC-gefrästen Formen in der Werkstatt und die ersten Nemos lernten fliegen.
Nemos Flügel wird komplett in Formen gebaut. Die äußere Schale des Flügels besteht aus dünnem GFK-Gewebe. Der Flügelkern besteht aus, in den Nemo-Farben lackiertem, D-Q-Cell (strukturfeines Styropor). Nasen und Endleiste sind mit CFK-Rovings verstärkt. Kleine CFK-Verstärkungen geben dem Flügel an den Randbögen und der Flügelaufnahme am Rumpf die nötige Stabilität. Als Holmgurt dienen ebenfalls CFK-Rovings, gestützt von einem Balsa-Sperrholz-Steg.
Der Rumpf wird aus CFK-Gewebe gefertigt und mit 4 Rovings in Längsrichtung versteift. Den Leitwerksträger bildet ein 6mm CFK-Rohr. HLW und SLW bestehen aus ausgesuchtem 2mm Balsaholz.
Der kleine Nemo erwies sich im Laufe der vergangenen Saison als sehr robust. Durch das geringe Gewicht und die stabile CFK-Nasenleiste übersteht er die meisten Zusammenstöße mit seinen Artgenossen ohne Probleme. Das Leitwerk hingegen bedarf nach nicht „sachgemäßem Gebrauch“ gelegentlich einer Sekundenkleber-Pflege..
Die Flügelbauweise hat jedoch auch ihre Nachteile, die ich euch keinesfalls vorenthalten möchte. Die berühmte „Druckprobe“ mit Daumen und Zeigefinger besteht der Flügel zwar, jedoch zeigen sich „Dellen“, die nur nach langer Zeit und dann meist nicht vollständig zurückgehen. Beim normalen Alltagsgebrauch kommt dies jedoch nur sehr selten vor.
Wie kann ich den Nemo denn dann ohne Spuren werfen, wenn ich nicht zudrücken kann ??
Kein Problem, fasst man den Flügel am Randbogen. Der Mittelfinger liegt auf dem Holm (Flügeloberseite) der Daumen liegt unter dem Holm (Flügelunterseite). Die übrigen Finger finden Ihren Platz auf der Oberseite und üben kaum Druck auf den Flügel aus. Mittelfinger und Daumen können ohne Sorgen ordentlich auf den Holm drücken.
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